Klimaschutzprojekt auf Streuobstwiesen

Die Natursaftkelterei Wolfra übernimmt Verantwortung für den Klimaschutz und hat ein bisher in Deutschland einzigartiges Projekt zur Kompensation von unvermeidlichen CO2-Emissionen entwickelt. Partner für das Vorhaben sind die rund 1.500 Obstbauern der Genossenschaft Rottaler Obstverwertung.

Im ersten Schritt hat Wolfra im vergangenen Jahr einen  CO2-Fußabdruck nach dem internationalen Greenhouse Gas Protokoll erstellen lassen, also die Auflistung aller Emissionen von Treibhausgasen, die aus dem Geschäftsbetrieb resultieren. Der Ausstoß der Kelterei im Jahr 2020 betrug rund 2.800 Tonnen CO2, der größte Anteil davon entfiel mit 56% auf die in der Kelterei benötigte Prozesswärme. Wolfra will im zweiten Schritt den Fußabdruck in den nächsten Jahren durch verschiedene Einsparmaßnahmen und technische Investitionen verkleinern und die Menge der verbleibenden, unvermeidbaren Emissionen verringern. Im dritten Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität will Wolfra unvermeidbare Emissionen kompensieren, indem anderswo CO2 gebunden wird.

Hier setzt das neue Klimaschutzprojekt an. Wolfra nutzt für die CO2-Kompensation die Streuobstwiesen, von denen die Kelterei ihr Obst bezieht. Wolfra setzt seit jeher bewusst auf regionales Obst von Streuobstwiesen und engagiert sich für den Schutz dieser wertvollen und landschaftsprägenden Biotope. Darüber hinaus können die Wiesen auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten, hierfür hat Wolfra zwei Maßnahmen identifiziert:

Nachpflanzungen

Viele Streuobstwiesen sind in den letzten Jahrzehnten ausgedünnt. Deshalb fördert Wolfra seit langem Neuanpflanzungen. Durch die Verdichtung von beispielsweise 50 auf 100 Bäume pro Hektar erreicht man den Einbau von 30 t CO2 in das Holz der neuen Bäume innerhalb von 20 Jahren, pro Jahr also einen Effekt von rund 1,5 t/ha.

Humusaufbau

Auch im Boden kann zusätzlich CO2 eingebunden werden durch gezielte Maßnahmen der Bearbeitung. Sie sorgen dafür, dass der Humusanteil im Boden (und damit die Menge des eingebundenen CO2) steigt. In der Ackerwirtschaft gibt es dafür bereits etablierte Verfahren und Projekte, auf Streuobstwiesen betritt Wolfra Neuland. Als wesentliche Maßnahme bietet sich hier das Einmulchen des gemähten Grases an – anstatt es aus den Wiesen zu entfernen. Ein dadurch steigender Humusgehalt im Boden dient nicht nur als CO2-Speicher, sondern verbessert auch den Wasser- und Nährstoffhaushalt. Dadurch werden die oftmals über Jahre ausgelaugten Böden verbessert und die gestressten und unterversorgten Obstbäume in Zeiten des Klimawandels stabilisiert.

Der genaue CO2-Effekt des Humusaufbaus hängt von der Lage und Bodenbeschaffenheit der Flächen ab. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) wird für Wolfra ein Probenkonzept erstellen und die Bodenproben auswerten, um den tatsächlich erzielten Effekt zu bestimmen. Außerdem wird auf den teilnehmenden Wiesen ein Arten-Monitoring durchgeführt, um auszuschließen, dass die Maßnahmen die Biodiversität beeinträchtigen.

Wolfra geht mit diesem Klimaschutzprojekt einen völlig eigenen, rein regionalen Weg. Üblicherweise kompensieren Unternehmen unvermeidbare Emissionen durch Zertifikate von Klimaschutzprojekten in Entwicklungsländern, die sie mit ihren Emissionen verrechnen und dadurch in der Summe ihren Geschäftsbetrieb „klimaneutral“ stellen.

„Uns überzeugt dieser Weg nicht“, sagt Wolfra-Geschäftsführer Norbert Sima. „Wolfra bezieht Äpfel von bayerischen Streuobstwiesen, produziert in Bayern und verkauft die Säfte fast ausschließlich in Bayern. Klimaschutz irgendwo in fernen Ländern würde einfach nicht zu unserem durch und durch regionalen Ansatz und Anspruch passen. Stattdessen machen wir durch unser Projekt deutlich, wie wichtig Streuobstwiesen sowohl für Wolfra, als auch für den Natur- und Klimaschutz sind.“

Wolfra wird das Klimaschutzprojekt bereits in diesem Frühjahr mit einer ersten Pilot-Gruppe von Obstbauern der Rottaler Obstverwertung e.G. starten. Unterstützt wird die Kelterei dabei vom Biologen und Obstbauern Dr. Sebastian Grünwald, der die teilenehmenden Bauern schulen wird. Wolfra übernimmt die Kosten der Schulungen, der Nachpflanzungen und zahlt den Bauern darüber hinaus eine Aufwandsentschädigung für das Einmulchen des Grases.

Wolfra-Geschäftsführer Norbert Sima sagte: „Unser Klimaschutzprojekt ist innovativ und sehr nah an unserem Unternehmen. Ich bin stolz darauf und neugierig auf die Werte, die wir erzielen werden.“ Über die Ergebnisse des Pilotprojekts wird Wolfra laufend berichten.