Unterdurchschnittliche Streuobsternte erwartet

Die Natursaftkelterei Wolfra geht heuer von einer schwächeren Apfelernte auf Streuobstwiesen aus. Die Gründe dafür sind neben dem natürlichen Rhythmus der Bäume die niedrigen Temperaturen, zu viel Nässe – und der zunehmende Klimastress.

Dr. Sebastian Grünwald, Pomologe von Wolfra und selbst Streuobstbauer sagt: „Einerseits folgt aufgrund der so genannten Alternanz, also der natürlichen Ertragsschwankung der Bäume, nach einem starken in der Regel ein deutlich schwächeres Jahr.“ 2020 war für den Streuobstapfel eine gute Saison, und Wolfra kelterte aus rund 1.800 Tonnen Äpfel ca. 1,4 Millionen Liter Saft.

Was heuer aber belastend hinzukommt, erklärt Dr. Grünwald: „Das Wetter ist seit Beginn der Saison sehr schwierig: Überwiegend kühle und regnerische Tage während der Blüte haben dazu geführt, dass viele Sorten schlecht bestäubt wurden. Die hohen Regenmengen und die fehlende Sonneneinstrahlung haben zudem einen starken Junifall bewirkt. Darunter versteht man, dass sich die Bäume von Fruchtanlagen trennen, die sie nicht ausreichend ernähren können. Die Bäume haben deshalb nur reduziert Früchte ausgebildet. Der viele Regen tut den Bäumen an sich zwar gut, wird aber nun zunehmend selbst zum Problem: anfällige Sorten sind heuer aufgrund der Dauerfeuchtigkeit stark von Pilzen befallen, das hat viel Fäulnis zur Folge.“

Ein weiterer Grund sei der wachsende Klimastress auf die Obstbäume, sagt Dr. Grünwald. „Die Bäume auf unseren Streuobstwiesen sind schon seit Jahren einem hohen klimatischen Stress ausgesetzt: Nachtfröste im Frühling, wenn schon Blüten angesetzt haben, sowie zu-nehmende Trocken- und Hitzeperioden im Sommer: das setzt den Bäumen zu und macht sie grundsätzlich anfälliger für Krankheiten und verstärkt die natürliche Alternanz.“ Auch die häufiger auftretenden Unwetter wirken sich auf die Obsternte aus. So ging am 22. Juni ein schwerer Hagelschauer über mehrere niederbayerische Gemeinden nieder, der die Bäume entlaubt und die Obsternte dort fast vollständig vernichtet hat.

Dr. Grünwald betont, dass die Wolfra-Prognose für beide Regionen gelte, aus denen die Kelterei ihre Äpfel beziehe: die Gegend um Erding sowie das Rottal in Niederbayern. Damit teilt Wolfra die Einschätzung des Verbands der deutschen Fruchtsaftindustrie (VdF). Dieser hatte vor kurzem auch bundesweit eine eher schwache Streuobstwiesenernte für 2021 in Aussicht gestellt. Die Pressemeldung des VdF ist über diesen Link abrufbar: Ernteprognose VdF

Erschwerend kommt in vielen Regionen hinzu, dass viele Streuobstbestände überaltert sind oder nicht mehr gut gepflegt und bewirtschaftet werden. Wolfra engagiert sich daher seit vielen Jahren für den Schutz und die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen durch die Förderung von Anpflanzungen und Bio-Zertifizierungen, faire Preise für die Bauern und die Annahme von Obst auch von sehr kleinen Landwirten und privaten Gartenbesitzern. Dadurch trägt Wolfra dazu bei, die wertvollen und landschaftsprägenden Biotope zu erhalten. Demselben Zweck dient auch das von Wolfra initiierte Bündnis für Streuobstwiesen gemeinsam mit dem Kurort Bad Birnbach und dem Landkreis Rottal-Inn. Mehr Informationen dazu finden sich auf der Seite des Bündnisses: Streuobstwiesenwunder