Was ist eine Streuobstwiese?
Streuobstwiesen prägen seit Jahrhunderten die Kulturlandschaft in Bayern. Ihre alten, knorrigen, hochstämmigen Obstbäume erstrecken sich vielerorts um Dörfer, Weiler und einzelne Höfe. Waren sie früher ein wichtiger Bestandteil der Eigenversorgung der Bauern, wurden mit der Landwirtschaft oftmals auch die Streuobstwiesen aufgegeben, nicht mehr gepflegt, oft sogar umgeschlagen, um die Flächen intensiver nutzen zu können. Erst in jüngster Zeit entdecken Bauern ihre zwar arbeitsintensiven, aber wertvollen Streuobstwiesen wieder: weil das Obst, das auf alten Bäumen wächst, in vielerlei Hinsicht wertvoller ist als das von Plantagen.
Streuobstwiesen werden eher extensiv bewirtschaftet. Deshalb können sie oft mit ihrer Ruhe und ihrem Reichtum an unterschiedlichen Lebensräumen verschiedene Tier- und Pflanzenarten anziehen. Es gibt Baumhöhlen und Erdlöcher, hohe Zweige und abgestorbenes Holz. Das Gras kann wachsen und es gibt viele Wildkräuter und Wiesenblüher. Tiere und Pflanzen, die aus ihren Lebensbereichen vertrieben werden, können auf den Obstwiesen Zuflucht finden.
Wunderbarer Geschmack
Hochstämmige Bäume erzeugen meist deutlich mehr Nährstoffe als die schmalen Spindelbüsche in Plantagen. Der Grund dafür ist unter anderem, dass sie über eine wesentlich größere Blattfläche verfügen. Die alten Sorten regulieren zudem die Zahl ihrer Früchte selbstständig – je nach den zur Verfügung stehenden Ressourcen – und vermeiden Überbehang. Dadurch gelangen mehr wertgebende Inhaltsstoffe in die einzelne Frucht, darunter die begehrten Polyphenole etwa, denen die gesundheitsfördernde Wirkung der Äpfel zugeschrieben wird.
Hinzu kommt, dass richtig guter Apfelsaft immer eine Mischung verschiedener Sorten ist. Allein in Bayern gibt es mehrere hundert verschiedene Apfelsorten mit einer unglaublichen Fülle an Aromen. Ein guter Apfelsaft ist eine sehr feine Mischung aus Süße und Säure.
Bündnis für Streuobstwiesen
2019 hat Wolfra das Bündnis für Streuobstwiesen gemeinsam mit dem Kurort Bad Birnbach und dem Landkreis Rottal-Inn initiiert. Kern der Aktivitäten ist eine rund 12.500 Quadratmeter große Streuobstwiese mitten im Bad Birnbacher Kurgebiet mit Apfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen. Der Pomologe Dr. Sebastian Grünwald, der seit Jahren Obstbauern im Namen der Wolfra berät, ertüchtigt die Wiese und ergänzt sie durch Neupflanzungen. Für Kurgäste in Bad Birnbach findet einmal im Monat eine Führung statt.
Immaterielles Kulturerbe
Im März 2021 hat die UNESCO Streuobstwiesen auf ihre Liste des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen. Sie ist damit einer Initiative aus Baden-Württemberg gefolgt.
